1/217 Saarow Strand

Das Haus liegt im Südosten Berlins, 70 Kilometer vom Berliner Zentrum entfernt, direkt am Scharmützelsee. Es ist ein Wochenendhaus mit der Perspektive zu längeren, ausgedehnten Aufenthalten. Das Grundstück gehört zum Ortsteil Saarow Strand der Gemeinde Bad Saarow. Es liegt im Bereich eines Bebauungsplanes, an der Grenze zum Au-ßenbereich und Wald. Das Grundstück ist im Mittel 24 m breit und hat eine Länge von 130 m. Unmittelbar am Seeufer befindet sich ein kleines Bestandsgebäude. Dahinter teilt ein öffentlicher Uferweg das Grundstück in eine See- und eine Landseite. Der größte Höhenunterschied zum Wasserspiegel beträgt 9 m. Hier steht das neue Wohnhaus quer zum Verlauf des Grundstücks mit Blick auf den See. Das Haus, einschließlich des Daches, besteht aus einer tragenden, äußeren Schale aus Stahlbeton, die auf ihren Außenseiten durch in die Schalung eingelegte Leisten profiliert ist. Die Übergänge zwischen vertikalen und geneigten Flächen erfolgen kontinuierlich, ohne Absätze und Überstände. Rinnen sind in die Dachflächen integriert. Die Fensteröffnungen sind Bestandteile der Gebäudestruktur und sind in ihrer Lage aus den Sichtbeziehungen und der Disposition des Hauses auf dem Grundstück entwickelt. Neben diesen Besonderheiten überführt insbesondere die Schrägstellung des Firstes im Grundriss den Umriss des üblichen Satteldachhauses in eine komplexe Figur. Die entstehenden HP-Flächen und die an der Firstlinie orientierten Ausbaurichtungen fügen dem Obergeschoss Bewegungen und Richtungsänderungen hinzu, die Raumbeziehungen unterschiedlich erfahren und interpretieren lassen. Das Haus ist Innen gedämmt. Im Obergeschoss sind Wände und Decken vollständig mit Sperrholzplatten verkleidet und geben diesem Bereich des Hauses eine intime wohnliche Atmosphäre. Das Erdgeschoss ist frei von tragenden Wänden. Es ist ein auf beiden Längsseiten verglaster, großer Raum durch den der Außenraum förmlich hindurchfließt. Hier dominieren Sichtbetonoberflächen und erzeugen einen Raum, der je nach Jahreszeit, sehr unterschiedlichen Nutzungen gerecht wird.

Das Grundstück Lehrter Straße Ecke Kruppstraße 17-18 in Berlin Mitte ist Teilbereich des Geländes einer ehemaligen Militärschneiderei. Auf dem Grundstück selbst befand sich das Dienstwohngebäude des Direktors. Von diesem Gebäude, das im Krieg zerstört wurde, ist entlang der Lehrter- und der Kruppstraße das Sockelmauerwerk der Außenwände bis zur Höhe des Sockelgesimses (ca. 1,9m hoch) erhalten. Diese Restfassade steht unter Schutz und bleibt als Einfriedung des Grundstücks zu den beiden Straßen bestehen. Entlang der Kruppstr. steht das Atelier in der Bauflucht und stülpt sich über den alten Gebäudesockel. Gegründet ist es auf der vorhandenen Tiefengründung des Vorgängerbaues, die als Mauerwerkskonstruktion bis zu 9 Meter hinabreicht. Nach einem Vorprojekt als Umbau und Erweiterung, an anderer Stelle, waren das Raumprogramm und die funktionalen Anforderungen gut bekannt und bereits erprobt. Mit dem Neubau in der Lehrter Strasse konnte eine „Ateliermaschine“ entwickelt werden, die allen Anforderungen in idealer Weise gerecht wird. Das Raumprogramm besteht aus zwei Arbeitsräumen mit Oberlicht, einem Lager und Archiv, Büro- und Wohnräumen und einigen Nebenräumen. Es ist mit einem geringen Anteil an Erschließungsflächen in einem kompakten Kubus von 12,5 x 25 x 12,5 m untergebracht. Differenzierungen im Licht, den Ausblicken und Beziehungen zum Außenraum charakterisieren die einzelnen Raumbereiche so, dass Raumgrenzen im herkömmlichen Sinne ersetzt werden durch Klang und Stimmung der Räume. Die Entscheidungen zur Konstruktion und Außenhaut des Gebäudes wurden bestimmt durch die Nachbarschaft der preußischen Klinkerbauten mit ihren einfachen Details und Naturstein Intarsien und durch die Anforderungen an die Oberflächen der Arbeitsräume. Diese sind mit Trockenbauschalen aus Gipskarton als Arbeitsflächen ausgekleidet. Entstanden ist ein Stahlbetonbau mit Innendämmung und einer äußeren Schalung aus sägerauen Brettern als Sichtfläche. Die Außenwände wurden fugenlos in 6 Abschnitten, unter Verwendung gleicher Schalelemente, betoniert. Bei den Fenstern sind die Funktionen Belichtung und Belüftung überwiegend getrennt und jeweils eigenständigen Konstruktionen zugeordnet. Das Gebäude hat eine Fußbodenheizung und fugenlose Bodenbeschichtungen aus Polyurethan. Als besondere technische Einrichtungen sind ein Kettenzug und ein hydraulisch angetriebenes Bodentor für den Transport zwischen Lager und Arbeitsraum eingebaut.

Erweiterung der Zentralmensa der Universität Kassel

Das Projekt ist Teil der Universitätserweiterung auf das sogenannte Nordgelände.
Es ist aus einem mehrphasigen Wettbewerbsverfahren hervorgegangen und ist der erste Baustein der geplanten Erweiterungsbauten der Universität Kassel am Standort Holländischer Platz. Die bestehende Mensa aus dem Jahr 1986 wurde um einen zweiten Speisesaal mit 430 Sitzplätzen und um Büro und Sozialräume erweitert. Die bestehende Speisenausgabe wurde ersetzt und erweitert durch einen großen Free Flow Bereich. Die Zentralmensa rückt im Zug der Neuordnung des Universitätsgeländes aus ihrer ursprünglichen Randlage in eine zentrale Position, in der sich als Erweiterungsfläche der Wirtschaftshof in besonderer Weise angeboten hat. Über diesen Wirtschaftshof spannt der neue Speisesaal als Brückenförmige Stahlkonstruktion und öffnet sich zum benachbarten Bachlauf der Ahna. Die Erweiterung der Büro- und Sozialräume überdeckt die ursprüngliche Rückseite des Gebäudes und gibt ihm eine neue, repräsentative Fassade nach Norden. Die dort ursprünglich angebaute Trafostation wurde abgerissen und ins Untergeschoss verlegt. Das Bestandsgebäude einschließlich Wirtschaftshof steht mit einer weißen Wanne im Grundwasser und überragt aus Gründen der Auftriebssicherung mit dem Niveau seiner Nutzflächen das umgebende Gelände um 1,4 m bis 2,4 m. An diese Höhen schließen die Erweiterungsflächen an und sind, bis auf wenige stützende Bauteile vom Boden abgehoben. Die Mensa wurde bei laufendem Betrieb umgebaut und erweitert. Die neuen Bauteile wurden unabhängig vom bestehenden Gebäude errichtet und erst zum Ende der Bauzeit durch große Öffnungen in den Außenwänden mit dem Altbau verbunden.

Energetische Sanierung der Sporthalle der Grundschule am Dielingsgrund

Die freistehende Sporthalle ist in ihrem Ursprung ein Typenbau in Stahlskelett- und Betonfertigteilbauweise, der in den 70er Jahren mehrfach auf Berliner Schulgrundstücken errichtet wurde. Als Ergebnis eines Auswahlverfahrens wurden augustinundfrank mit der energetischen Sanierung einer dieser Hallen, der Sporthalle der Grundschule am Dielingsgrund, beauftragt.
Ergebnis der Sanierung ist ein rundum erneuertes Gebäude, das heutigen funktionalen und energetischen Anforderungen an eine Sporthalle entspricht und dabei deutlich unter den Kosten eines Neubaus geblieben ist. Dies wurde durch den Erhalt und die Einbeziehung möglichst vieler Systemelemente des vorhandenen Typenbaus und den Einsatz einfacher, energetisch hoch leistungsfähiger Materialien und Materialkombinationen bei den neuen Bauteilen erreicht. Das im Ursprungsbau teilweise außen liegende Stahlskelett wurde vollständig nach innen verlegt und die gesamte Hallenstruktur mit einer neuen Hülle überformt. Die ursprünglich mit geschlossenen Außenwänden umgebene Halle hat eine bodengebundene Verglasung mit Aussicht auf den benachbarten Sportplatz erhalten, die Umkleideräume wurden neu geordnet. Ihr Erschließungsgang bildet als spiegelnde Vitrine und Leuchtkasten das neue Gegenüber des Schulgebäudes.

Energetische Konzepte: Für die neuen Nutzungen ergeben sich spezifische Probleme aus der nicht ausreichenden bauphysikalischen und infrastrukturellen Ausstattung der Gebäude. Diese Probleme sind für die große Mehrzahl der auf dem Gelände vorhandenen Gebäudetypen vergleichbar, die Strategien zur bauphysikalischen Optimierung der Gebäudehüllen und der infrastrukturellen Ausstattung sind grundsätzlich anwendbar.Die Vorschläge für die bauphysikalische Optimierung der Gebäudehüllen orientieren sich an heutigen innovativen Techniken zur passiven und aktiven Energieminimierung. Das Verhältnis der baulichen zur haustechnischen Grundausstattung ist dabei im Hinblick auf die späteren Betriebskosten von besonderer Bedeutung. Für die beiden Gebäude wurden zwei Strategien entwickelt und jeweils anhand einer dynamischen Gebäudesimulation optimiert: Die äußere Hülle der alten Waschkaue sollte als Zeugnis der baulichen Anfänge auf dem Grubengelände erhalten bleiben. Eine wesentliche Maßnahme zur Energieminimierung im Betrieb dieses Gebäudes ist ein Temperaturkorridor, der durch die Einbringung einer lichtstreuenden Decke unterhalb der bestehenden Dachbinderebene hergestellt wurde. Die Lichtdecke besteht aus einer mehrschichtigen Konstruktion aus Polycarbonat-Stegplatten, die die Lastreserven der bestehenden Dachkonstruktion ausschöpft.Dank der lichtstreuenden Eigenschaft des Materials wird die Nutzung der natürlichen Belichtung wesentlich verbessert. Die Außenwand und das Dach der Industriehalle aus den 60-er Jahren benötigen, wie die Mehrzahl der auf dem Gelände vorhandenen Gebäude, Maßnahmen zur bauphysikalischen Verbesserung. Die Ausfachungen zwischen den Binderkonstruktionen wurden, wo konstruktiv möglich, entfernt. Die gesamte Fassade wurde mit einer neuen, thermisch wirksamen, aber transparenten Hülle (Polycarbonat / Glas) versehen, die als Doppelfassade die bestehende Konstruktion einschließt. Die Dachfläche erhält eine äußere Wärmedämmung. Die weitgehend natürliche Belichtung und Belüftung der Räume ist dadurch sichergestellt. Zur sommerlichen Durchlüftung des Fassadenzwischenraums der Doppelfassade wurden im unteren Bereich innen und im Attikabereich außen verschließbare Lüftungsklappen eingebaut. Unterstützend wurde der neue Fußbodenaufbau zum Einbau von Rohren genutzt, die im Sommer kühle Luft von der Nordseite des Gebäudes in den südseitigen Fassadenzwischenraum führen.
Transformation: Für die Um- und Einbauten haben wir überwiegend Materialien und Konstruktionsweisen aus dem Industriebau verwendet. Dies gilt auch für das neu errichtete Gästehaus. Damit wird das erste Merkmal für die Kontinuität einer dritten Bebauungsschicht auf dem Gelände erzeugt. Ein Großteil der auf dem Gelände vorhandenen Gebäude sind in ihrer Außenhaut Hüllen gewaltiger Maschinen. Diese Hüllen und ihre Dünnschichtigkeit charakterisieren als Außenwandkonstruktionen die beiden Gebäudeteile, die dem Eingang und der Öffentlichkeit zugewandt sind. Neu interpretiert und in zeitgemäßen Materialien konstruiert, sind sie in der Lage, auch das Wohnen als neue Nutzung auf dem Gelände gestalterisch zu integrieren. Mehr als alles andere schaffen Orte Identitäten. Bilder, die wir mit Orten so verknüpfen, dass Erinnerungen daraus entstehen. Beim Bau der „Werkstatt der Industriekultur“ haben wir nach Methoden gesucht, die Dinge einfach und doch ungewöhnlich einprägsam zu sehen und darzustellen.

Die HO Kaufhalle wurde 1958 auf einem Eckgrundstück der im Krieg zerstörten Mietshausbebauung errichtet. Sie besetzt den rückwärtigen Teil des Grundstücks und hat zu den Straßen hin eine dreieckförmige Grünfläche der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Die neuen Eigentümer haben das Grundstück erworben, um in dieser besonderen Situation die Idee eines urbanen Gartens zu realisieren. Die Qualität des Wohnhauses mit Garten wird unmittelbar in das dichte Gefüge und die Komplexität der inneren Stadt integriert. Entstanden ist ein Haus mit zwei Einheiten, dessen Wohnräume unter einem Vordach stufenlos in einen nach Süden vorgelagerten Garten übergehen. Der Garten ist damit in einer sehr ungewöhnlichen Konstellation zu den Strassen ausgerichtet und verleiht dem Ensemble eine besondere, ganz eigene Position und Qualität im städtischen Raum. Die Wohnungen nutzen für ihre räumliche Disposition die Großzügigkeit der ehemaligen Verkaufsräume ebenso wie die Intimität und Zurückgezogenheit der Lager und Nebenräume des vormaligen Ladenkombinats. Neben der Entdeckung und Freilegung der Innenraumqualitäten im bestehenden Gebäude hat die Lage des Gartens entlang der Straßen bei der Transformation des Grundstücks eine besondere Herausforderung dargestellt. Im umliegenden Stadtraum ist der private Garten ein neues Element, das den Kontakt und den Dialog mit seiner Umgebung suchen und finden muss. Entsprechend wurde der Garten gefasst - mit einer Zaunkonstruktion, die genügend Materialstärke und Volumen aufweist, um die Masse der angrenzenden Hauswände fortzuführen, die aber auch genügend transparent ist, um die Kommunikation und das Kennenlernen zwischen Garten und Straßenraum zu gewährleisten

Aus den bestehenden Konstruktionen sowie aus dem vorhandenen Kartenmaterial ist zu schließen, dass das bestehende Gebäude ca. 1910 errichtet wurde. Die ur-sprüngliche Nutzung ist nicht bekannt. Die Bauakte beginnt mit dem Jahr 1932. Herr Dehler als Inhaber einer Autowerkstatt (Wagenbauanstalt) bittet um Dispens für einen ohne Baugenehmigung und gegen herrschendes Baurecht errichteten Schmiedeschuppen. 1933 erfolgen Baueingaben, die die Umnutzung des Hauptgebäudes in eine Markthalle beschreiben. Bei beiden Nutzungen handelt es sich um ein nicht unterkellertes Gebäude. Der Fußboden EG war nur durch eine Steinschicht befestigt. Der Bau ist zweigeschossig. Die Decke über EG wird durch eine Trägerlage mit preußischen Kappen gebildet. Die Träger liegen auf einem Mittelunterzug auf zwei Stützen auf. Die Nutzung des Obergeschosses wird als Lager, später als Wohnung und Lager beschrieben. In den Jahren 1971/72 erfolgt ein Umbau zu einem behördlich genutzten Bürogebäude. Nutzer ist das Amt für Wasserstraßennutzung Berlin. Die bestehende Dachkonstruktion ist schadhaft und wird durch eine Brettbinder-Konstruktion ersetzt. Verwendet werden Fachwerkbinder aus der Typenbinderliste 1963, die überwiegend für Lagerhallen und landwirtschaftliche Gebäude genutzt wurden. In beiden Etagen wird ein Mittelflur mit flankierenden Büroräumen eingebaut. Die leichten Trennwände bestehen aus Mauerwerk. Im Obergeschoss wird unter die Fachwerkbinder eine leichte, wärmegedämmte Decke gehängt. Beim Umbau wurden durch den Abriss der Trennwände und Unterdecken im Gebäude zwei klassische Großräume freigelegt, Fabriketage und Scheune. Ein Raum zum Arbeiten, ein Raum zum Wohnen. Alle neuen Konstruktionen und Materialien unterstützen und qualifizieren diese einfache Idee. Die äußere Hülle wurde nur geringfügig überarbeitet und dunkelgrau gestrichen. Merkmal und Zeichen für die neue Nutzung sind die große Öffnung mit Schiebeelement im Südostgiebel, die außen bündig sitzenden Fensteraufdopplungen und die voluminösen Rinnenkästen der neuen Dachflächen. Diese bestehen aus einer Schalung aus OSB mit einem Warmdachaufbau. Den äußeren Abschluss bildet eine schwarz beschieferte Dachbahn. In die Dachflächen wurden einige Lichtkuppeln als zusätzliche Tageslichtspender eingebaut.

Die Grundschule ist ein Schulneubau in der Gemeinde Sassenburg bei Wolfsburg. Die Schule liegt am Dorfrand zwischen Sportplatz und freier Feldflur. Der Baukörper besteht aus wenigen Grundelementen, welche die umliegende, ebene Landschaft zeichenhaft interpretieren. Das Schulgebäude ist eingeschossig, eine Dachplatte mit wenigen, markanten Auffaltungen überragt die zukünftig auf dem Grundstück wachsenden Bäume und Sträucher. Der Baukörper bildet ein Dreieck. Er ist so plaziert, dass seine Aussenkanten die Bewegungsrichtungen auf dem Grundstück harmonisch aufnehmen und alle Räume optimal auf den Außenraum gerichtet sind. Die Grundrissfigur bildet eine zentrale Erschließungsfläche aus, mit kurzen Wegen und vielfältigen Blick- und Raumbeziehungen, die das zentrale Atrium, abhängig vom Standort, tangieren, kreuzen oder ganz erfassen. Das Konzept der Eingeschossigkeit bietet die Möglichkeit, alle Aufenthaltsräume direkt nach außen zu entfluchten, Flucht- und Rettungswege sind im Gebäude nicht erforderlich. Alle Erschließungsflächen sind deshalb zum Aufenthalt im Schulbetrieb uneingeschränkt nutzbar, Wände zu den Klassenräumen sind lichtdurchlässig oder transparent. Eine ebene Bodenplatte und tragende Wandscheiben aus Stahlbeton bilden das Grundgerüst der Konstruktion. Auf den Wandscheiben liegt eine raumhaltige Dachdecke aus Holz auf, deren Raumhaltigkeit eine zweite, obere Fassadenzone bildet. Die Verkleidung wurde mit einem einzigen, grobkörnig aufgerasterten Bildmotiv laminiert, das mit der Verschiebung der Wahrnehmbarkeit von Bild und Farbe aus Fern- und Nahsicht spielt.

Die Havelland-Grundschule ist eine 2,5-zügige Ganztagsgrundschule in offener Form, die um fehlende Raumkapazitäten für die Ganztagsbetreuung ergänzt wurde. Die auf dem Schulgelände bestehenden vier Gebäude unterschiedlichen Baualters wurden durch den Neubau, der acht Klassenräume, mehrere Gruppen- und Mehrzweckräume sowie eine Mensa mit Küche umfasst, erweitert. Das Gebäude wurde direkt an der Grundstücksgrenze, entlang einer lauten Verkehrsstraße errichtet. Durch diese Setzung übernimmt es die Funktion, das Grundstück und insbesondere die Sport- und Freiflächen vor den Emissionen der Straße zu schützen. Das Gebäude tritt an die Stelle einer geplanten Schallschutzwand und verleiht dem Straßenraum Identität. Die Erschließung des lang gestreckten Neubaus ist einhüftig, da die Orientierung von Unterrichtsräumen zur Straße ausgeschlossen ist. Durch die Lage der Mensa und der Wahl außen liegender Fluchttreppen wird der Grundriss so organisiert, dass Verkehrsflächen minimiert sind und ein, trotz der Länge, kompakter Baukörper entsteht. Nach Osten zur Strasse und Schallschutzwand hin ist das Gebäude hermetisch und schließt mit einer leichten, wärmegedämmten Schale ab, die eine schnelle und temporäre Beheizung der Verkehrsflächen ermöglicht. Nach Westen öffnen sich die Unterrichtsräume mit großen Fenstern zum Schulhof. Auskragende Dachflächen lassen die tief liegende Wintersonne in die Klassenräume eindringen und sorgen für deren sommerliche Verschattung. Die klare Kubatur und homogene dunkle Farbgebung des Gebäudes bilden ein prägnantes Gegengewicht zu der heterogenen Umgebung. Durch die großen Fensteröffnungen leuchten die hellen Farben der Innenräume –eine kreative Atmosphäre für Schüler und Lehrer.

Die Mensa ist die bauliche Erweiterung einer Grundschule in Neuköllner Ortsteil Rudow, einem überwiegend offen bebauten Randbezirk im Süden Berlins. Die neue Mensa liegt nicht auf dem eigentlichen Schulgrundstück, das baulich ausgelastet ist. Die Schule hat jedoch Flächenreserven im benachbarten Grünzug – eine Wiese, die auch für den Schulsport genutzt wird. Ein Teil dieser Wiese wurde als Standort gewählt. Von der östlich angrenzenden Wohnstraße wird die Mensa infrastrukturell angebunden, von dort erfolgt auch die Anlieferung durch den Caterer. Zwischen dem Schulhof und der Wiese zieht sich eine mit alten Bäumen bestandene Senke hin, die zum Schulgrundstück gehört und als naturräumliches Pendant zur dichten Bebauung bisher von der Schule gepflegt und erhalten worden ist. Hier haben wir eine besondere außenräumliche Situation vorgefunden, die wir als ästhetische ressource in unsere Planung einbezogen haben.
Konzept: Die neue Mensa soll die Freifläche möglichst wenig einschränken. Sie besetzt als schlanker Baukörper die Kante zwischen Wald und Wiese. Der Speiseraum ist das Zentrum des Hauses, in dem alle Aktivitäten zusammenlaufen. Aufgrund seiner stadträumlichen Disposition muss das Gebäude als imagebildender Informationsträger fungieren. Es hat die Aufgabe, Wege zu organisieren und ist selbst Teil einer übergeordneten Bewegungsachse. Der Weg zwischen der Schule und der Mensa führt durch den Wald und hat somit ein besonderes szenisches Potential. Zur Sportwiese, von wo auch die Anlieferung der Küche erfolgt, ist eine robuste Bolzwand erforderlich, die aber auch erkennen lässt, worum es sich bei dem Ding auf der Wiese handelt. Weitere technische und ökonomische Grundlagen für das Gebäudekonzept waren eine außergewöhnlich kurze Bauzeit - alle Möglichkeiten der Vor – und Parallelfertigung mussten genutzt werden – und ein durch die Fördermittel begrenztes Budget.
Konstruktion: Der Baukörper ist nicht mehr als eine raumhaltige, durchlässige Wand. Wichtig ist die Lesbarkeit der gegensätzlichen Funktionen des Gebäudes auf größere Distanz. Der Schnitt zeigt die Konstruktionselemente von zwei Wandsystemen, die auf die unterschiedlichen Anforderungen reagieren und einen hohen Vorfertigungsgrad erlauben. Das vertikale Programm der Fassade wird jeweils am Boden bzw. an der Decke weitergeführt. Ein massiver Winkel aus einer Betonplatte, die leicht über den Grasboden angehoben ist, und Wandscheiben aus Stahlbeton, bildet eine robuste, ballwurfsichere Außenwand zum Sportfeld. Die Außenwandkonstruktion ist zweischalig mit einer hinterlüfteten inneren Schale als thermische Hülle. Die zum Wald und zur Schule orientierte Außenwand ist in ihre Funktionsschichten aus Holz, Glas und Stahl aufgelöst. Eine Holzkonstruktion bildet auch die Dachdecke, die von Außenwand zu Außenwand trägt. Die gesamte Konstruktion wurde in Form von Betonfertigteilen, Holzbindern und Stahlstützen vorgefertigt und auf der Baustelle in kurzer Bauzeit montiert.Der inszenierte Wechsel der Wandqualitäten dient der leichten Orientierung sowohl innenräumlich als auch außenräumlich, vor allem aber in der Bewegung zum Gebäude hin und quer durch. Wer sich dem Gebäude von der Schule aus nähert, überblickt das gesamte innere Gefüge. Die klare Lesbarkeit des Innenraums mit seinen Nutzungsbereichen lässt erst die rückseitige Außenwand als deutliche Raumgrenze erkennen. Von innen gesehen stellt sich eine optische Überlagerung der feingliedrigen Holzfassade mit den vorm Glas vorbeiziehenden Baumstämmen ein. Ein Dachüberstand und die Bäume schützen vor sommerlicher Überhitzung. Vom Sportplatz aus ist das Haus vorwiegend Informationsträger in Textform. Es gibt wenig Aufschlüsse über Vorgänge im Inneren, Öffentlichkeit ist hier nicht Programm.